Samstag, 26. Mai 2018
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Oxfam: Weltherrschaft von 62 Reichen?

Mit ihrer Behauptung, 62 Reiche besäßen so viel wie 3,7 Milliarden Arme, spielen die britischen Globalisierungskritiker mit Europas Urangst, von einigen wenigen Superreichen regiert zu werden – und selber immer stärker zu verarmen. Hätte man auf Europas wissenschaftliche Tradition gesetzt, könnte man jetzt jubeln.

Die 62 reichsten Menschen der Welt würden laut Oxfam mehr besitzen als die ärmere Hälfte des Globus zusammen? Und schuld wäre die schlechte Steuermoral der Großkonzerne? Was so einfach verständlich weil himmelschreiend ungerecht klingt, wurde diese Woche zur Lieblingsschlagzeile fast aller europäischen Medien.

73% der Journalisten ticken politisch links [1] – da war es klar, dass obige Behauptung unrecherchiert und hoch bejubelt in alle Welt hinausposaunt wurde. Zusammen mit der (175 Jahre alten) Marxismus-Keule: „Die Kluft wird immer größer!“

Die Kluft steigt? Ein gutes Zeichen.

Die Autoren von Oxfam hängen einem sozialistischen Gleichheitsideal an. Demnach wären alle Erdenbürger gleich intelligent und ehrgeizig (und auch gleich groß und schwer?). Infolge dessen müssten wohl auch alle gleich viel verdienen und besitzen. Weil das offensichtlichen aber nicht der Fall ist, sucht man die Schuld beim Kapitalismus. Der würde die Unterschiede bewusst kreieren, um die Menschen auszubeuten. So die hehre  Lehre in Schulen, Unis, NGOs und Medien.

Dabei ist die zunehmende Ungleichheit in Ländern wie China und Indien ein gutes Zeichen. Denn die fünfzig Millionen Süd- und Ostasiaten, die dank Kapitalismus und Wettbewerb auch heute noch jährlich aus bitterster Armut aufsteigen, verdienen fünfmal so viel wie ihre zurückgebliebenen Dorfbewohner.

Und diese wurden dadurch auch nicht ärmer. Sie verdienen als Landarbeiter noch immer etwa 20 Euro im Monat. Nur zum (ungelernten Analphabeten und) Wanderarbeiter in der Textilfabrik, der jetzt 100 Euro verdient, ist die Kluft extrem aufgegangen. Und weil China schon am Sprung zum „High Tech“-Land ist, explodiert auch die Mittelschicht. Facharbeiter verdienen schon mindestens 200 Euro (das zehnfache des Landarbeiters), beim internationalen Konzern sind es eher 500 Euro. Ingenieure kriegen 1.000 Euro – das 50fache eines Tagelöhners.

Aber soll man Hunderten Millionen Menschen den Aufstieg verwehren? Nur um den Preis, dass alle gleich (arm) bleiben? Soll man die Tüchtigen so stark besteuern wie in Österreich – mit dem Erfolg, dass niemand mehr Firmen gründen will, und dadurch die Arbeitslosigkeit steigt?

Die Reichen wurden reicher. Gelogen?

Die Vermögen der Reichen sollen laut Oxfam in den letzten 10 Jahren um 44% gewachsen sein? Wer das so stehen lässt (und es der mangelnden Steuermoral von „Corporate Money“ zuweist), spricht nicht die Wahrheit.

Gerade mit den Flunkereien des „Ungleichheit-Profis“ Thomas Picketty kam der wahre Grund für diese Art von Vermögensexplosionen ans Tageslicht: Staatliche Notenbanken und ihre Sozialpolitiker.

Es waren stets die Linken (wie Clintons Demokraten, Europas Sozialisten oder der DGB), die seit 20 Jahren die Flutung der Welt mit Papiergeld oder neuen Schulden betreiben (wie 1929, Stichwort „Schwarzer Freitag“). Mit dem naiven Ziel, die Menschen würden mit dem billigen (gepumpten) Geld die Konsumgüterproduktion (und damit die Beschäftigung) ankurbeln.

Aber wie schon 1929, macht der Geldsegen die „Kleinen Leute“ zu „kleinen Kapitalisten“, die auf Pump Aktien kaufen und Immobilien zur Vermietung erwerben. Das treibt deren Preise in lichte Höhen und macht das „oberste 10%“, dessen Vermögen vor allem aus Immobilien und Aktien (der eigenen Firma) besteht, auf dem Papier immer reicher. Zu den „10%“ zählt übrigens auch der heimische Angestellte mit Lebensversicherung und Anlegerwohnungen.

Die „Reichen“ hatten die Gelddruckerei aber nicht gefordert, es war das Geschenk naiver Sozialpolitiker. Rechnet man den Effekt der Notenbanken heraus, hat sich am langfristigen Rückgang der Ungleichheit in Europa nichts geändert: Von ihrem Höhepunkt um 1910 ist sie bei den Top-Vermögen seitdem um zwei Drittel zurückgegangen.

Nach dem nächsten Börsencrash (den man wieder dem Kapitalismus in die Schuhe schieben wird), wird die Ungleichheit ihren Niedergang weiter fortsetzen.

Dummheit Nullsummenspiel

Laut Oxfam besitzt das „Oberste 1%“ der Welt so viel wie die restlichen 99% zusammen- da folgern viele Medienleute „blitzescharf“: Wenn die Reichen reicher werden, werden die Armen ärmer [2]. Wer das behauptet, hat nichts verstanden. Denn er ist im kindlichen Glauben des Nullsummenspiels verhaftet. Demnach wäre das Welt-Vermögen seit Jahrtausenden eine statisch gleichgroß bleibende Menge, die – je nachdem wie schief man den Teller hält – zur einen oder anderen Seite schwappt.

Tatsächlich hat sich alleine das reale Einkommen eines Deutschen von 1870 bis 1992 glatt verzehnfacht, ohne dass irgendein anderes Land in diesem Zeitraum ärmer geworden wäre [3]. Denn je mehr tüchtige Unternehmer eine Gesellschaft hervorbringt, desto mehr produzieren ihre Fabriken, desto mehr Arbeiter braucht man und desto mehr Geldscheine kann man im Umfang der neuen Produktionsmenge drucken und in Umlauf bringen. Damit hat man wieder Kaufkraft für die Produkte anderer Fabrikanten (- auch für die in anderen Ländern).

Ohne Reiche keine Steuern

Wer heute reich ist, hat etwas erzeugt und ein Tausendfaches seines persönlichen Wohlstandes für die Gesellschaft produziert – in Form von Millionenumsätzen (an Gütern und Dienstleistungen), in Form von Löhnen, Gewinnen, Steuern, Sozialversicherungsbeiträgen und Aufträgen für Rohstoff- und Sublieferanten.

Unternehmer wie Lakshmi Mittal, Bill Gates oder Dietrich Mateschitz haben Konzerne aufgebaut und Hundert Tausende Jobs geschaffen, die vorher nicht da gewesen waren. Sie haben den technologischen Wandel angetrieben und das Leben von uns allen verbessert. Nur weil der fiktive Marktwert ihrer Vermögen nun spektakuläre Milliardenwerte erreicht hat, haben sie niemandem etwas weggenommen. Geschweige denn, dass sie sich mit anderen Reichen verbünden wollten, um die Welt auszubeuten.

Besonders seit den 1990ern klagt der linke Mainstream, wie ungerecht das Weltvermögen zunehmend verteilt wäre. Obwohl er selber die Schuld daran trägt (im Drucken  immer neuer Geldmengen) – und nicht einmal Anstalten macht, damit aufzuhören.

Natürlich müssen alle Firmen Unternehmenssteuern bezahlen, allfällige Steueroasen in Holland, USA oder England sind zu schließen. Das ist aber nicht das Problem. Die wirkliche Krise, die dieser Welt droht, geht von den gefährlichen Halbwahrheiten aus, die Europas außer Rand und Band geratene Eliten (in Unis, NGOs und Medien) verbreiten.

Und die die Welt immer aggressiver und instabiler machen.



[1] „42% Grün, 24% SPD, 7% Linke“, lt. Margreth Lünenborg, Freie Universität Berlin, www.focus.de, 3.7.2013

[2] wie etwa Florian Rötzer von www.heise.de

[3] „Reales Bruttoinlandsprodukt pro Kopf in Deutschland von 1870 – 1992“, US-Amerikaner: 1870 1.913 Dollar BIP/Kopf, 1992 19.351 Dollar, www.statista.de

 

Über HÖRL, MMag. Michael

HÖRL, MMag. Michael
MMag. Michael Hörl. Der Betriebswirt und Wirtschaftspädagoge ist Wirtschaftspublizist in Salzburg und hat Europas erstes "Globalisierungskritik-kritisches" Buch geschrieben: "Die Finanzkrise und die Gier der kleinen Leute". www.michaelhoerl.at

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