Donnerstag, 18. Oktober 2018
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Ortner: „Das Geschäftsklima in der Ukraine ist miserabel“

Von einem Hoffnungsmarkt zu einem Land, in dem ein sehr schlechtes Geschäftsklima herrscht, hat sich die Ukraine in den vergangen ein bis zwei Jahren entwickelt. Laut dem österreichischen Wirtschaftsdelegierten in Kiew, Hermann Ortner, befinden sich die heimischen Investoren in einer Abwartehaltung  und hoffen auf eine Normalisierung der angespannten politischen Lage.

[[image1]]Rund 150 heimische Unternehmen sind mit einer Niederlassung in der Ukraine vertreten, mit einem Volumen von 3,26 Milliarden Dollar ist die Alpenrepublik der fünftgrößte Investor in dem 45-Millionen-Einwohner-Land, das acht Mal so groß ist wie die Österreich. So ist etwa der Skihersteller Fischer seit vielen Jahren mit einem Produktionswerk vertreten, Raiffeisen International verfügt über ein Tochterunternehmen mit 800 Filialen, und am lokalen Versicherungsmarkt sind die Uniqa, die  Vienna Insurance Group und die Grazer Wechselseitige aktiv.  Die Handelsbilanz war im letzten Jahr positiv, Exporte von 680 Millionen Euro standen Importen von 669 Millionen Euro gegenüber.

Gespannter Blick auf Ausgang der Wahlen

Auch wenn derzeit das Interesse an Investitionen in der Ukraine praktisch gleich Null und das Geschäftsklima schlecht ist, glaubt Ortner nicht an einen Rückzug der heimischen Investoren aus dem Krisen-Land. „Die Unternehmen warten ab und hoffen auf eine Stabilisierung der Lage. Alle blicken gespannt auf den Ausgang der Wahlen Ende Mai“, erläutert der Experte im Gespräch mit der EU-Infothek. Ein großes Problem sei, dass die Landeswährung zwischen 30 und 35 Prozent an Wert verloren habe, was Importe stark verteuert habe. Dazu komme die geringe Kaufkraft in Formen eines Bruttoinlandsprodukts (BIP) pro Kopf von lediglich 4000 Dollar.

Für den Wirtschaftdelegierten wäre es wichtig, dass das krisengeschüttelte Land endlich die ausufernde Bürokratie in den Griff bekommt. „Wir sind derzeit den heimischen Unternehmen vor allem bei Problemen mit dem Zoll oder der Justiz bzw. beim Abklären neuer Vorschriften behilflich“, so Ortner. Dabei hätte die Ukraine insbesondere mit ihrem großen Rohstoffvorkommen gute Voraussetzungen für eine positive wirtschaftliche Entwicklung, wie sie etwa die baltischen Staaten vorweisen können.“

Prognosen für die künftige Entwicklung traut sich der Wirtschaftsexperte nicht abzugeben. „Alle Vorhersagen der letzten Zeit waren falsch, niemand hat beispielsweise die massiven Proteste mit dem Sturz der Regierung und die Abspaltung der Krim vorhergesehen.“ 

 

Bild: WKO / Helga Ewert – www.pixelio.de

 

 

Über WERNITZNIG, Heinz

WERNITZNIG, Heinz
Heinz Wernitznig studierte Kommunikationswissenschaft und ist heute Redakteur beim Neuen Volksblatt in Linz, Ressort Chronik.

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