Donnerstag, 18. Oktober 2018
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Österreich braucht noch mehr ausländische Investoren

Ein regelmäßig im Frühjahr publizierter Bericht der Austria Business Agency (ABA) ist ein recht brauchbarer Indikator, wie es um den Wirtschaftsstandort Österreich tatsächlich bestellt ist. Die dem Wirtschaftsministerium unterstellte Betriebsansiedlungsagentur hat derzeit besonderen Grund zur Freude: Im vergangenen Jahr konnte sie nämlich gemeinsam mit den regionalen Schwestergesellschaften 276 internationale Unternehmen ins Land holen – mehr als jemals zuvor in ihrer 33jährigen Geschichte.

Das Plus von 21 Prozent gegenüber dem Jahr davor wird noch veredelt durch eine 79-prozentige Steigerung bei den geschaffenen 2.645 Arbeitsplätzen; schließlich stieg auch die Investitionssumme um rund sieben Prozent auf 371 Millionen Euro.

Das ist zwar beileibe noch kein Grund zur Euphorie, aber schön zu hören angesichts der endlosen Debatten, wie sehr doch der rot-weiß-rote Standort an Attraktivität verliere, wie schlimm es um die Wettbewerbsfähigkeit Österreichs stehe und wie stetig das Land in einschlägigen internationalen Rankings an Terrain verliere. Ein beachtlicher Erfolg ist es allemal, den die 25 ABA-Berater und ihre Kollegen in den regionalen Ansiedlungsbüros vorzuweisen haben. Und ein Beweis obendrein, dass Österreich doch nicht so „abgesandelt“ ist, wie hochrangige  Kammerfunktionäre gemeint haben – oder immer noch meinen. Die Unternehmen, die sich bei uns ansiedeln, wissen gottlob so manches an der Republik zu schätzen: etwa die Drehscheibenfunktion in Richtung Zentral-, Südost- und Osteuropa; oder langfristige Erfolgsfaktoren wie qualifizierte Fachkräfte und die Stabilität und Rechtssicherheit in diesem Land; nicht zuletzt kann Österreich auch mit einer hohen Lebensqualität punkten.

Die ABA, die seit ihrer Gründung schon Investitionen im Gesamtausmaß von fast sieben Milliarden Euro nach Österreich brachte und damit mehr als 47.000 Arbeitsplätze schuf, tut sich mit Interessenten aus Nachbarstaaten am leichtesten. So etwa kamen die meisten Investoren – nämlich 88 – aus Deutschland. Ein deutlicher Aufwärtstrend war zuletzt auch in Italien spürbar: 43 Betriebe aus bella Italia haben sich mit ABA-Unterstützung in Österreich niedergelassen. Markant gestiegen ist auch das Interesse von Firmen im CEE- und SEE-Raum am Alpenland: Mit 74 Investitionen sorgten sie für mehr als ein Viertel aller ABA-Ansiedlungen. Erfreulich ist aber beispielsweise auch, dass Österreich bei amerikanischen Investoren als Forschungsstandort sehr geschätzt wird: Der ehemalige Unternehmensberater Peter Stebe etwa, der in New York das Start-up „nextSociety“ gegründet hatte, siedelte sein globales Entwicklungszentrum in der Donau-Metropole an. Er entwickelt hier mit einem österreichischen Partner eine neue Networking-App.

Wien klar vor Kärnten

Die meisten Projekte – nämlich 131 – wurden im vergangenen Jahr in Wien gestartet, was für die Hauptstadt ein großer Achtungserfolg darstellt: Sie konnte sich gut gegen starke Konkurrenz behaupten, denn sämtliche Metropolen der EU-Mitgliedsstaaten bemühen sich unentwegt, Investoren an ihre Angel zu bekommen. Der schier gnadenlose  Wettbewerb spielt sich freilich nicht nur zwischen Großstädten und Ländern ab, sondern wird auch auf nationaler Ebene spürbar. Selbstverständlich verfolgen etwa die niederösterreichische Betriebs-ansiedlungsagentur Ecoplus, die Standortagenturen in Salzburg oder Tirol beziehungsweise die Anfang dieses Jahres neu formierte oberösterreichische Wirtschaftsagentur Business Upper Austria ihre ureigensten Ziele. Unter der Regie der Austria Business Agency kämpfen sie naturgemäß primär für ihr eigenes Bundesland. 2014 lag überraschender Weise Kärnten mit 38 Betriebsansiedlungen vor Niederösterreich und Salzburg, die es auf jeweils 20 gebracht haben. Mit 18 Gründungen, darunter einer Produktionsstätte für Metall- und Kunststoffclips der deutschen Firma Poly-Clip, folgt Oberösterreich auf Platz 5,  vor der Steiermark (16) und Tirol (14 Deals). Schlusslichter sind das Ländle mit zehn und das Burgenland mit neun Betriebsansiedlungen.

Der ABA, die derzeit mit mehr als 700 internationalen Interessenten im Gespräch ist, darf jedenfalls Lob gezollt werden, weil einfach ist ihr Job wahrlich nicht. Es erfordert schon einiges Geschick, beispielsweise einen deutschen Mittelständler wie die in  Baden-Württemberg beheimatete Schäflein Logistics zu bewegen, im Salzburgerischen Hallein ein Logistikcenter mit 40 Beschäftigten zu errichten. Jedes derartige Ja eines ausländischen Investors ist letztlich ein positives Signal, ja geradezu ein Sieg für Österreich – auf dem man sich freilich nicht ausruhen darf. Für die Bundesregierung müssten derartige Good News ein Ansporn für endlich fällige Reformen sein: Es muss künftig weniger Bürokratie, eine bessere Fachkräfte-Ausbildung und noch unzählige Detailmaßnahmen geben, damit Österreich in den einschlägigen Standort-Vergleichen wieder auf- und andere vergleichbare Länder überholt.

 

 

Über MUZIK, Prof. Dr. Peter

MUZIK, Prof. Dr. Peter
Prof. Dr. Peter Muzik ist langjähriger Wirtschaftspublizist ('trend', 'WirtschaftsBlatt', 'Wiener Zeitung') und Inhaber der auf Medien-Resonanz-Analyse spezialisierten Agentur Public & Media

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