Mittwoch, 20. Juni 2018
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Nationalhymnen sind immer problematisch

Das vom steirischen Volks-Rock‘n‘Roller Andreas Gabalier inszenierte Sommertheater rund um die österreichische Bundeshymne dürfte doch keine nachhaltigen Schäden anrichten: Die „Töchter“ bleiben uns mit ziemlicher Sicherheit erhalten – auch wenn sich viele Bürgerinnen und Bürger künftig so wie Gabalier beim Absingen von „Land der Berge“ aus purer Gewohnheit auf die „Söhne“ beschränken dürften.

[[image1]]Die an sich gar nicht so blöde Idee von Volksanwältin Gertrude Brinek, per Wettbewerb einen zeitgemäßeren Text zu finden, ist damit wohl ad acta gelegt. Das von der Dichterin Paula Preradovic im Jahr 1946 kreierte Oeuvre ist zwar in inhaltlicher Hinsicht nicht mehr wirklich das Gelbe vom Ei, aber Österreichs Hymne kann sich zumindest dank der Musik, die gar nicht von Wolfgang Amadeus Mozart stammt, sondern vermutlich von Johann Baptist Holzer, zweifellos hören lassen.

Wer – wie beispielsweise anlässlich der heurigen Fußball-WM – unentwegt mit Hymnen konfrontiert ist, wird zwangsweise ergriffen sein, mit welcher Inbrunst Kicker-Stars, allen voran die aus Brasilien und Italien, ihre jeweilige Landeshymne runterschmettern – doch bei näherer Betrachtung ist ein absolutes Schockerlebnis unvermeidlich: Es handelt sich nämlich nahezu durchwegs um höchst antiquierte, relativ banale und bisweilen sogar ziemlich abstruse Textzeilen, die den Nationalstolz hochhalten sollen, freilich mit der heutigen Zeit gar nichts mehr zu tun haben. Es geht zumeist um Heimatliebe, Freiheitsdrang und Kampfesmut aus einem fernen Jahrtausend, wobei  schwülstige Formulierungen, rhetorische Fragen oder liebliche Patriotismen in Sonderzahl verwendet werden. Da ist vom „Brüllen der grausamen Krieger“ die Rede, vom „Helm des Scipio“, von  „Blitzen des Donners“ und vom „Bersten der Bomben in der Luft“, aber auch von der „Sonne über Thrakien“, vom „lieblichsten Erdenort“ oder von der Sonne, die die „Felder wärmt“. Kurzum: Fast alle Staaten haben jedenfalls mit unzeitgemäßen Hymnen ein weitaus größeres Problem als Österreich samt seinen Töchtern und Söhnen.

Die allermeisten Nationalhymnen stammen aus der tiefen Vergangenheit: „God save the Queen!“ etwa, bereits 1745 uraufgeführt, preist ausschließlich – wie andere Vertreter dieser Gattung auch – choralartig das monarchische Staatsoberhaupt. Einen anderen Typus repräsentieren die marschartigen, nicht selten kämpferisch angehauchten „Vaterlandshymnen“, darunter die französische „Marseillaise“ aus dem Jahr 1792, die sich auf Ereignisse von nationalhistorischer Bedeutung beziehen und häufig auf revolutionärem Hintergrund basieren.  Die dritte Gruppe sind schließlich die eher volksliedhaften, lyrisch-sanften Landeshymnen, bei denen rühmende Beschreibungen des Volkscharakters und romantische Schilderungen landschaftlicher Schönheiten im Vordergrund stehen – typisches Beispiel ist die bulgarische, die im Refrain „Liebe Heimat, du bist das Paradies auf Erden, deine Schönheit, deine Anmut, ach, sie sind unendlich“ mit einer Überdosis Patriotismus aufwartet.

Die Musik macht’s aus

Für die Inhalte der Nationalhymnen haben durchwegs Dichter und Schriftsteller gesorgt, etwa der Deutsche August Heinrich Hoffmann von Fallersleben, der sich 1841 jenen Text einfallen hatte lassen, der weit später – nämlich 1922 – die Melodie der 1797 von Joseph Haydn komponierten Herrscherhymne „Gott erhalte Franz, den Kaiser“  ergänzen durfte. Was die Qualität ihrer Ergüsse anlangt, war man allerdings nirgends besonders kritisch eingestellt, denn die meisten Autoren waren offenbar nicht unbedingt von Genialität gesegnet, sondern haben am ehesten emotionale Empfindungen zu Papier gebracht. Dennoch eilt manchen von ihnen bis heute ein beinahe staatstragender Ruf nach: So etwa werden der Italiener Goffredo Mameli, der bereits 1847 angesichts des bevorstehenden Krieges gegen Österreich „Fratelli d‘Italia“ gedichtet hatte, zunächst die vorläufige und erst seit 2005 die offizielle Hymne seines Landes, weiters der kroatische Poet Antun Mihanovic, der für die 1891 eingeführte Hymne Kroatiens gesorgt hat, oder der dänische Nationaldichter Adam Oehlenschläger, dessen „Vaterlandslied“ seit 1844 ein Stolz der Dänen ist, immer noch heiß verehrt, wenn auch nur als nationale Berühmtheiten. Das unterscheidet sie allesamt vom Schöpfer der chinesischen Nationalhymne: Tian Han, der auch mit Dramen, Opern und Filmen populär geworden ist, hatte 1935 den „Marsch der Freiwilligen“ getextet, der 14 Jahre später zur provisorischen Nationalhymne der Volksrepublik wurde. Im Zuge der Kulturrevolution wurde er jedoch inhaftiert und sein Text vorübergehend verboten – Tian Han starb im Dezember 1968 im Gefängnis, sein Werk wurde erst 1982 wieder zugelassen.

Auffällig ist, dass auch jene Länder, die sich erst in jüngerer Vergangenheit eine neue Hymne zulegen durften – etwa Tschechien, die Slowakei, Slowenien, Kroatien und die baltischen Staaten – durchwegs auf Altbekanntes, zumeist aus dem 19. Jahrhundert, gesetzt haben: Das tschechische „Wo ist meine Heimat?“ und das slowakische „Es blitzt über der Tatra“ fallen ebenso in diese Kategorie wie das „Trinklied“ der Slowenen. Estland, Lettland und Litauen haben sich eben so wenig etwas Neues einfallen lassen und lieber ihre einstmals verwendeten Nationallieder wiederbelebt – „Mein Vaterland“, „Gott segne Lettland“ respektive „Das Volkslied“. Der posthume Ruhm ist indes allen eher nur mittelmäßig begabten Autoren dennoch sicher – obzwar manche der stereotypen, klischeehaften, aber emotionsgeladenen Textkreationen beispielsweise durchaus von beschränktem Wahrheitsgehalt sind: Etwa ausgerechnet Wladimir Putins Russland vollmundig als „geheiligtes Land“ bzw. „freies Vaterland“ zu verherrlichen, was dem 2009 verstorbenen Schriftsteller und Parteifunktionär Sergei Wladimirowitsch Michalkow vorbehalten war, lässt letztlich selbst einen schwach ausgeprägten Realitätssinn vermissen.

Während die meisten Dichter in zumeist dramatischer Manier bevorzugt den Liebreiz ihrer Heimat besangen, zum Kampf für die Unabhängigkeit aufriefen, die Einigkeit und Freiheit lobpriesen oder den jeweiligen Landesherrn verehrten, was heutzutage bisweilen für Ratlosigkeit zu sorgen pflegt, hatten es die Komponisten schon deutlich einfacher. Obwohl mit Ausnahme von Joseph Haydn, dessen  Melodie im zweiten Satz des Kaiserquartetts für das „Deutschland-Lied“ erkoren worden war, in den meisten Fällen nicht gerade große Meister ihres Faches am Werk waren, gehen einige der in der Regel pompös anmutenden Landeshymnen durchaus ins Ohr: Abgesehen von der österreichischen gelten die amerikanische, die britische, die russische und die italienische Hymne als die gelungensten Exemplare ihrer Spezies. Auch die französische „Marseillaise“, die sich der Offizier und Komponist Claude Joseph Rouget de Lisle 1792 nach der Kriegserklärung an Österreich über Nacht hat einfallen lassen, wird seit nunmehr bereits nahezu 220 zumindest in musikalischer Hinsicht als eine der eindrucksvollsten Nationalhymnen geachtet.

Europa-Hymne ohne Schiller

Die Komponisten etlicher Hymnen sind jedenfalls, zumindest im eigenen Land, zum Begriff geworden: Das gilt etwa für den Ungarn Ferenc Erkel, dessen größter Erfolg als Begründer der Nationaloper letztlich die 1903 eingeführte magyarische „Himnusz“ gewesen ist, genauso wie für den Russen Alexander Wasiljewitsch Alexandrow, der 1943 die Hymne der Sowjetunion komponiert hatte, die mit neuem Text ab dem Jahr 2000 auch Hymne der Russischen Föderation ist. Nicht alle haben zwar wie Letzterer für ihre Leisung gleich den Lenin-Orden und den Stalin-Preis verliehen bekommen, doch ein gewisses Ansehen ist ihnen noch lange nach dem Tode sicher – insbesonders jenen, die so wie das letztlich verarmte englische Multitalent Henry Carey, der Pole Jozef Wybicki und der Bulgare Zvetan Zvetkov Radoslavov Musik und Text gleich in einem Aufwaschen erledigt haben.

In etlichen Fällen hat es allerdings gar keines Komponisten bedurft: Die schwedische Nationalhymne beispielsweise ist nichts anderes als ein bekanntes Volkslied, detto die slowakische, und die Melodie der US-Hymne „The Star-Spangled Banner“ wurde einem populären englischen Trinksong namens „To Anacreon in Heaven“ entliehen. Den Text dazu hat der Rechtsanwalt Francis Scott Key 1814 nach dem Unabhängigkeitskrieg im Blitztempo gebastelt. Seine Referenz an die amerikanische Flagge spiegelt die Freude über den Sieg der Amerikaner über die Briten wider – falls einem das nicht bekannt ist, wird man den Ausführungen wohl ebenso fassungs- wie verständnislos gegenüber stehen. Die US-Hymne, erst 1931 vom Kongress offiziell auserkoren, ist damit ein gutes Beispiel, dass eine neue, moderne Textfassung, die der Identität des Landes entspräche, längst vonnöten wäre.  Es wäre auch für Londons Politiker an der Zeit,  endlich zu reflektieren, ob es über das Vereinigte Königreich denn nicht mehr zu sagen gäbe, als dass die Queen beschützt werden muss. Schließlich erhebt sich die Frage, ob denn das Revolutionslied der Franzosen – die „Marseillaise“ – nicht schon heillos antiquiert und total nichts-sagend wirkt.

Fein sind indes die Spanier heraus: Bei ihrem von einem unbekannten Komponisten stammenden „Marcha Real“ („Königlicher Marsch“) aus dem Jahr 1942 gibt es nämlich gar keinen amtlichen Text – eine Wohltat etwa im direkten Vergleich zur griechischen „Hymne an die Freiheit“, die dank des fleißigen Dichters Dionysios Solomos ursprünglich gleich aus 158 Strophen Bla Bla bestanden hatte – Kostprobe: „Ich erkenn‘ dich an der Klinge deines Schwerts, der furchtbaren, ich erkenn‘ dich an dem Blicke, der mit Kraft die Erde misst“ (Anm.: ???). Heute sind gottlob nur noch 24 Strophen überliefert, und bei den meisten offiziellen Anlässen begnügen sich die Griechen erfreulicher Weise mit bloß zwei.

Die Europäische Union, die sich 1972 für das Hauptthema des letzten Satzes aus der 9. Symphonie von Ludwig van Beethoven als Europa-Hymne entschieden hatte, vermied damals geschickt eine textliche Blamage: Das Werk, ursprünglich die Vertonung von Friedrich Schillers „Ode an die Freude“, wird lediglich instrumental aufgeführt. Die symbolische Universalität der Melodie muss reichen, da bedarf es keiner Worte …

 

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HYMNEN IM WORTLAUT

17 Textbeispiele, teilweise gekürzt, in deutscher Übersetzung: Die tiefste Vergangenheit lebt immer noch …

DEUTSCHLAND
„Deutschland-Lied“
(ab 1922-1945 bzw. ab 1952)
Text: August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798-1874)
Musik: Joseph Haydn (1732-1809)

Einigkeit und Recht und Freiheit
für das deutsche Vaterland!
Danach lasst uns alle streben
brüderlich mit Herz und Hand!
Einigkeit und Recht und Freiheit
sind des Glückes Unterpfand –
blüh` im Glanze dieses Glückes, blühe, deutsches Vaterland!

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FRANKREICH
„La Marseillaise“
(ab 1795)

Text: Claude Joseph Rouget de Lisle (1760-1836)
Musik: wahrscheinlich Claude Joseph Rouget de Lisle (1760-1836)

Auf, Kinder des Vaterlands!
Der Tag des Ruhms ist da.
Gegen uns wurde der Tyrannei
blutiges Banner erhoben. (2 x)
Hört Ihr im Land
das Brüllen der grausamen Krieger?
Sie kommen uns auf den Leib,
Eure Söhne, eure Frauen zu köpfen!

Zu den Waffen, Bürger,
formiert Eure Bataillone,
marschiert, marschiert,
damit das unreine Blut
unsere Äcker tränke.

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ITALIEN
„Hymne von Mameli“
(ab 1946)

Text: Goffredo Mameli (1822-1885)
Musik: Michele Novaro (1827-1849)

Brüder Italiens,
Italien hat sich erhoben,
und hat mit dem Helm des Scipio
sich das Haupt geschmückt.
Wo ist die Siegesgöttin Victoria?
Sie möge ihm ihr Haupt zuneigen,
denn als eine Sklavin Roms
hat Gott sie erschaffen.

Lasst uns die Reihen schließen,
wir sind bereit zum Tod,
wir sind bereit zum Tod,
Italien hat gerufen!

Wir wurden seit Jahrhunderten
getreten und ausgelacht,
weil wir kein Volk sind,
weil wir geteilt sind.

Es sammle uns eine einzige
Flagge, eine Hoffnung:
auf dass wir verschmelzen,
die Stunde hat schon geschlagen.

Lasst uns die Reihen schließen,
wir sind bereit zum Tod,
wir sind bereit zum Tod,
Italien hat gerufen!

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GROSSBRITANNIEN
„Gott schütze die Königin“
(ab etwa 1800)

Text und Musik: vermutlich Henry Carey (1687-1743)

Gott schütze unsere gnädige Königin!
Lang lebe unsere edle Königin,
Gott schütze die Königin!
Lass sie siegreich,
Glücklich und ruhmreich sein,
auf dass sie lang über uns herrsche!
Gott schütze die Königin!

O Herr, unser Gott, steh ihr bei,
zerstreue ihre Feinde,
und bring sie zu Fall;
Vereitle ihre Winkelzüge,
durchkreuze ihre schurkischen Pläne –
auf Dich setzen wir unsere Hoffnungen.
Gott schütze uns alle!

Mit Deinen erlesensten Gaben
geruhe sie zu überschütten,
möge sie lange herrschen,
möge sie unsere Gesetze verteidigen
und uns stets Grund geben,
mit Herz und Stimme zu singen:
Gott schütze die Königin!

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BELGIEN
„La Brabanconne“
(ab 1830/1938)

Text:  Charles Rogier (1800 – 1885)
Musik: François van Campenhout (1779-1848)

O Belgien, o teure Mutter, Dir gehören
unsere Herzen, unsere Arme!
Dir gehört unser Blut, Vaterland!
Alle schwören wir Dir: Du wirst leben!
Groß und schön wirst Du immer leben,
und der Wahlspruch Deiner
unverbrüchlichen Einheit wird heißen:
Für König, Recht und Freiheit! (3x)

O liebes Land, o Belgiens Erde,
Dir unser Herz, Dir unsere Hand,
Dir unser Blut, dem Heimatherde,
wir schwören’s Dir, o Vaterland!
So blühe froh in voller Schöne,
zu der die Freiheit Dich erzog,
und fortan singen Deine Söhne:
„Gesetz und König und die Freiheit hoch!“ (3x)

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DÄNEMARK
„Es liegt ein lieblich‘ Land“
(ab 1844)

Text: Adam Gottlob Oehlenschläger (1779-1850)
Musik: Hans Ernst Krǿyer (1798-1879)

Es liegt ein lieblich’ Land
im Schatten breiter Buchen
am salz’gen Ostseestrand,
am salz’gen Ostseestrand.
An Hügelwellen träumt’s, im Tal,
Alt-Dänemark, so heißt es,
Und ist der Freja Saal.
Und ist der Freja Saal.

Unser altes Dänemark für immer,
so lange die Buche spiegelt
Ihre Krone im blauen Wasser.
Ihre Krone im blauen Wasser.

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SCHWEDEN
„Du alter, Du freier“
(ab 1866)

Text: Richard Dybeck (1811-1877)
Musik: Volkslied

Du alter, du freier, du berghoher Nord,
du stiller, du voller Herrlichkeiten!
Gegrüßt seist du, lieblichster Erdenort,
dein Licht, dein Himmel, deine grünen Weiten,
dein Licht, dein Himmel, deine grünen Weiten.

Du thronst auf dem Erbe einst ruhmreicher Jahr,
als weithin dein Name groß geworden.
Ich weiß, dass du bist und du wirst, was du warst.
Ja, leben, sterben will ich nur im Norden!
Ja, leben, sterben will ich nur im Norden!

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POLEN
„Dombrowskis Mazurka“
(ab 1927)

Text: Jozef Wybicki (1747-1822)
Musik: Jozef Wybicki oder Michal Kleofas Oginski (1765-1833)

Noch ist Polen nicht verloren,
nicht solang‘ wir leben.
Und zurück, was uns genommen,
wird das Schwert uns geben.

Führ‘, Dombrowski aus Italien
uns nach Polen wieder,
Deinem Schutz vertrauen
wir und unsre Brüder.

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TSCHECHIEN
„Wo ist meine Heimat?“
(ab 1990)

Text:  Josef Kajetan (1808-1856)
Musik: Frantisek Skroup (1801-1862)

Wo ist mein Heim, wo ist mein Heim?
Wo im Tal die Wasser schäumen,
Föhren hoch den Fels umsäumen,
wo der Lenz an Blüten reich;
einem Paradiese gleich,
ist das schöne Land der Böhmen,
Böhmen ist mein Heimatland,
Böhmen ist mein Heimatland!

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SLOWAKEI
„Es blitzt über der Tatra“
(ab 1993)

Text: Janko Matuska (1821-1877)
Musik: Volkslied

Es blitzt über der Tatra,
die Donner schlagen wild.
Lasst sie aufhalten, Brüder,
sie werden ja verschwinden,
die Slowaken wachen auf.

Unsere Slowakei
hat bisher fest geschlafen.
Aber die Blitze des Donners
rütteln sie auf,
damit sie erwacht.

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UNGARN
„Hymne“
(ab 1990)

Text: Ferenc Lölcsey (1790-1838)
Musik: Ferenc Erkel (1810-1893)

Gib dem Volk der Ungarn, Gott,
Frohsinn, Glück und Segen,
schütze es in Kriegesnot
vor des Feindes Schlägen.
Ihm, das lange Schmach ertrug,
schenke wieder Freuden,
denn es büßte hart genug
Schuld für alle Zeiten.

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SLOWENIEN
„Das Trinklied“
(ab 1990)

Text: France Preseren (1800-1849)
Musik: Stanko Premrl (1880-1965)

Es leben alle Völker,
die sehnend warten auf den Tag,
dass unter dieser Sonne
die Welt dem alten Streit entsag!
Frei sei dann
jedermann,
nicht Feind, nur Nachbar mehr fortan!

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BULGARIEN
„Liebe Heimat“
  (ab 1964)

Text und  Musik: Zvetan Zvetkov Radoslavov (1863-1931)

Das Balkangebirge ist stolz,
die blaue Donau fließt nebenan,
die Sonne scheint über Thrakien
und leuchtet feuerrot über dem Pirin-Gebirge.

Liebe Heimat,
Du bist das Paradies auf Erden,
deine Schönheit, deine Anmut,
ach, sie sind unendlich.

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KROATIEN
„Unsere schöne Heimat“
(ab 1990)

Text: Antun Mihanovic (1796-1861)
Musik: Josip Runjanin (1821-1878)

Unsere schöne Heimat,
heldenhaftes, liebes Land,
alten Ruhmes Vätererbe,
ewig sollst du glücklich sein!

Lieb bist du uns, wie du ruhmreich,
lieb bist du uns, du allein,
lieb bist du uns, wo du eben,
lieb, wo du Gebirge bist.

Fließe Drau, Save fließe,
auch du Donau, verliere deine Kraft nicht.
Blaues Meer, sage der Welt,
dass der Kroate sein Volk liebt,

So lange die Sonne seine Felder wärmt,
so lange die Bora seine Eichen umweht,
so lange das Grab seine Toten bedeckt,
so lange ihm sein lebendiges Herz schlägt.

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RUSSLAND
„Hymne der Russischen Föderation“
(ab 2000)

Text: Sergei Michalkow (1913-2009)
Musik: Alexander Wassiljewitsch Alexandrow (1883-1946)

Russland – unser geheiligtes Land, 
Russland – unser geliebtes Land, 
gewaltige Freiheit und grosser Ruhm 
sind dir zu Eigen für alle Zeiten!

Sei gepriesen, unser freies Vaterland, 
uralter Bund brüderlicher Völker, 
von den Ahnen überlieferte tiefe Weisheit. 
Land, sei gepriesen! Wir sind stolz auf dich!

Von den südlichen Meeren bis zum Polargebiet 
erstrecken sich unsere Wälder und Felder. 
Du bist einzig in der Welt! Du bist so einzig 
von Gott zu beschützendes Heimatland!

Einen weiten Raum für Traum und Leben 
werden künftige Jahre uns eröffnen. 
Treue zum Vaterland gibt uns die Kraft. 
So war es, so ist es, so wird es immer sein!

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USA
„Sternenbanner“
(ab 1931)

Text: Francis Scott Key (1779-1843)
Musik: John Stafford Smith (1750-1836)

O sag, kannst du sehen
im Lichte der frühen Morgendämmerung,
was wir so stolz bejubelten
bei der Abenddämmerung letztem Schimmer,
wessen breite Streifen und helle Sterne
durch die gefahrvollen Kämpfe
über den Wällen, die wir beobachteten,
so stattlich wehten?
Und der Raketen roter Schein,
das Bersten der Bomben in der Luft
gaben die Nacht hindurch Kunde,
dass unsere Flagge noch da war.
O sag, weht dieses sternenbesetzte Banner noch
über dem Land der Freien und der Heimat der Tapferen?

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VOLKSREPUBLIK  CHINA
„Marsch der Freiwilligen“
(ab 1949)

Text: Tian Han (1898-1968)
Musik: Nie Er (1912-1935)

Steht auf!
Ihr, die Ihr es ablehnt, Sklaven zu sein.
Mit unserem Fleisch und Blut,
lasst uns eine neue Große Mauer bauen!
Die Völker Chinas haben einen Wendepunkt erreicht.
Jeder muss sich der Herausforderung stellen.
Steh auf! Steh auf! Steh auf!
Millionen Herzen schlagen für einen Gedanken,
die Gewehrschüsse des Gegners ertragend –
Marschiere voran!
Die Gewehrschüsse des Gegners ertragend –
Marschiere voran!
Marschiere voran!
Marschiere voran!

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Über MUZIK, Prof. Dr. Peter

MUZIK, Prof. Dr. Peter
Prof. Dr. Peter Muzik ist langjähriger Wirtschaftspublizist ('trend', 'WirtschaftsBlatt', 'Wiener Zeitung') und Inhaber der auf Medien-Resonanz-Analyse spezialisierten Agentur Public & Media

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