Samstag, 17. November 2018
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Länder-Image: Kanada ist top, Österreich Zwölfter, die USA enttäuschen und Russland ist letztklassig

Das renommierte Reputation Institute in New York hat soeben, wie alljährlich, eine Studie präsentiert, die das Image von 55 Staaten untersucht. Heuer wird darin Kanada – nicht zum ersten Mal – die weltweit beste Reputation bescheinigt. Im „2015 Country RepTrak“ des Instituts, der auf 48.000 Interviews mit Menschen aus den G8-Ländern basiert, liegen Norwegen, Schweden, die Schweiz und Australien im Spitzenfeld. Österreich rangiert immerhin – trotz eines kleinen Rückfalls – an zwölfter Stelle, Deutschland dagegen ist auf Rang 15 abgerutscht.

Kanada gilt nicht zum ersten Mal als jenes Land, das die höchste  Wertschätzung genießt und seitens der Befragten die beste Nachrede verzeichnet. Die Bewertung, die nach 16 Kriterien erfolgt, ist seit Jahren ziemlich stabil: Während 2010 noch Schweden vor Kanada und Australien in Front lag, siegten schon 2011 die Kanadier, damals vor Schweden und Australien – Österreich landete auf Platz Neun, Deutschland war Nummer Elf. 2012 gewann wiederum Kanada vor Australien, Schweden und der Schweiz – Österreich war Neunter, Deutschland Elfter. 2013 belegte Kanada erneut Platz Eins, und zwar vor Schweden und der Schweiz – Österreich war Zehnter, Deutschland Elfter.  Im Vorjahr schließlich lag ausnahmsweise die Schweiz vor Kanada und Schweden in Führung – Deutschland folgte auf Platz Zehn, Österreich bekleidete Rang Elf.

In der heurigen Rangliste sind dennoch einige interessante Trends zu beobachten: Die vielgescholtene Europäische Union etwa schneidet nämlich unter dem Strich exzellent ab. Die 16 in der Studie bewerteten Mitgliedsstaaten liegen allesamt im Spitzen- bzw. im oberen Mittelfeld: Vor allem die kleineren – Schweden, Finnland, Dänemark, die Niederlande und Belgien – genießen einen hervorragenden Ruf – als Länder, wo man gerne Urlaub machen, arbeiten, investieren oder wirtschaftlich aktiv sein würde. Für die Untersuchung wurde beispielsweise abgefragt, für wie schön, freundlich und sicher ein Land gehalten wird, wie seine Regierung, die Politik, das Bildungssystem, der Lifestyle, seine Kultur und das wirtschaftliche Umfeld eingestuft werden bzw. ob es bekannte Brands aufzubieten hat.

Russland ist eine Katastrophe

Die genannten europäischen Staaten – und Österreich – verweisen die großen EU-Mitgliedsländer – das Vereinigte Königreich, Italien, Deutschland, am deutlichsten aber Frankreich – auf die Plätze; die Krisen in Irland, Portugal und Spanien scheinen sich auf das internationale Meinungsklima erfreulicher Weise nicht mehr negativ auszuwirken;  selbst Griechenland schafft – Überraschung – , gleich hinter Taiwan und Brasilien  eine Platzierung an 28. Position 28, noch vor Indien, den Arabischen Emiraten, Südkorea, der Türkei und dem Wirtschaftsgiganten China (Anm.: die Meinungsumfrage fand allerdings bereits im Februar und März 2015 statt, also lange vor der dramatischen Rettungsaktion der Griechen in Brüssel).

Auffällig ist, dass fast alle bestens bewerteten Länder auch im „Corruption Perceptions Index 2015“ von Transparency International im Spitzenfeld zu finden sind. So gut wie alle dieser Staaten liegen obendrein im „World Happiness Report 2015“ des UNO-nahen „Sustainable Development Networks“ ebenfalls auf den vordersten Plätzen – nur die Deutschen und die Franzosen folgen dort etwas weiter hinten. Die USA indes, die sich als führende Weltmacht immer noch als Maß aller Dinge begreifen, kommen im aktuellen „Country RepTrak“, über einen enttäuschenden 22. Platz, gleich hinter Thailand, nicht hinaus. Obzwar die Staaten auf das weltweit größte GDP und die höchsten direkten Auslandsinvestments verweisen können und nach China zweitstärkster Exporteur sind, rangieren sie zum Beispiel beim Kriterium „Advanced Economy“ nach Spitzenreiter Japan, Deutschland, Schweiz, Schweden und fünf anderen Ländern lediglich auf Platz Zehn. Und beim Kriterium „Effective Government“ ist die Obama-Administration, wiewohl sich die US-Reputation seit 2009 alles in allem um 9,6 Prozentpunkte verbessert hat, sogar bloß unter ferner liefen zu finden.

Fazit: Während die Europäische Union durchaus zufrieden sein darf, wie sie weltweit eingestuft wird, müssen sich die US-Amerikaner anstrengen, damit ihr Bild in den Köpfen der Menschen positiver wird. Nicht-EU-Staaten wie Norwegen und die Schweiz liefern auch diesmal wieder den Nachweis, dass ihnen auch ohne Brüssel-Connection eine hohe Wertschätzung sicher ist. Bei etlichen Länder hat sich zuletzt die Einschätzung tendenziell verbessert: Ihren Ruf seit dem letzten Report einigermaßen aufpolieren konnten vor allem Ägypten und der Iran (schon vor dem Atom-Abkommen), aber auch Indien, China, die Philippinen, Indonesien und Südkorea, nicht zu vergessen die einstigen europäischen Sorgenkinder Irland, Portugal und Spanien. Der gegenteilige Trend – eine deutliche Verschlechterung in der Beurteilung – war hingegen für Brasilien, Südafrika, der Ukraine und Russland zu registrieren, am stärksten jedoch für das Emirat Katar, das islamistische und terroristische Organisationen unterstützt.

Der größte Verlierer heißt Russland – und damit Wladimir Putin, dessen Reputation noch nie besonders berauschend war, der aber noch immer in vielen wichtigen Global-Rankings (z.B. Einwohnerzahl, BIP, Exporte, Direktinvestitionen, Tourismus u.a.) eine Top 10-Platzierung  sicher hat:  Das russische Imperium verliert schon seit Jahren zusehends an  Ansehen und Glaubwürdigkeit und wird als besonders unsicher, undemokratisch, ineffizient, extrem korrupt und bedrohlich eingestuft. Nach der Krim-Annexion und den blutigen Ereignissen in der Ostukraine fiel die Abrechnung des US-Instituts mit dem politischen Erzfeind der USA jedenfalls besonders herb aus: Die Befragten können Russland nichts Positives abgewinnen: Das Land sei hässlich, der Russe unfreundlich, die dortige Wirtschaft desolat und die Politik des Kreml eine einzige Katastrophe. Schlimmer – so der Tenor der Studie – sei es nur um Pakistan, den Iran und den Irak bestellt.

DAS REPUTATIONS-RANKING

So positiv bis negativ werden die 55 Staaten mit dem höchsten Bruttoinlandsprodukt gesehen:

DIE TOP 12  
1. Kanada 78,1
2. Norwegen 77,1
3. Schweden 76,6
4. Schweiz 76,4
5. Australien 76,3
6. Finnland 75,1
7. Neuseeland 75,0
8. Dänemark 74,5
9. Niederlande 73,7
10. Belgien 72,3
11.  Irland 72,0
12.  ÖSTERREICH 71,2
   
IM OBEREN MITTELFELD  
13. Vereinigtes Königreich 69,5
14. Italien 69,4
15. Deutschland 69,0
16. Japan 69,0
17. Spanien 67,8
18.  Portugal 64,4
19.  Frankreich 64,4
20.  Singapur 61,1
21. Thailand 57,7
22. USA 57,0
23. Polen 56,8
24. Tschechische Republik 56,5
25. Taiwan 56,2
26. Brasilien 56,1
27. Peru 55,6
28. Griechenland 55,5
29. Argentinien 55,3
   
IM UNTEREN MITTELFELD  
30. Philippinen 54,5
31. Chile 54,8
32. Malaysia 54,0
33. Indien 52,7
34. Vereinigte Arab. Emirate 51,9
35. Indonesien 51,5
36. Südkorea 50,8
37. Mexiko 50,1
38. Venezuela 50,0
39. Türkei 49,8
40. Südafrika 49,7
41. Ägypten 48,6
42. Israel 47,0
43. Katar 46,6
   
DIE NACHZÜGLER  
44. Rumänien 43,9
45. Kolumbien 43,1
46. China 42,5
47. Ukraine 41,4
48. Saudi Arabien 41,0
49. Algerien 40,2
50. Kasachstan 39,9
   
DIE SCHLUSSLICHTER  
51. Nigerien 36,3
52. Russland 35,1
53. Pakistan 31,5
54. Iran 29,8
55.  Irak 22,5

Quelle: „2015 Country RepTrak“ des Reputation Institutes

Über MUZIK, Prof. Dr. Peter

MUZIK, Prof. Dr. Peter
Prof. Dr. Peter Muzik ist langjähriger Wirtschaftspublizist ('trend', 'WirtschaftsBlatt', 'Wiener Zeitung') und Inhaber der auf Medien-Resonanz-Analyse spezialisierten Agentur Public & Media

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