Mittwoch, 17. Oktober 2018
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Die Sippenzusammenführung

In den nächsten Jahren droht Europa die nächste große Migrationswelle. Sie steht unter der harmlos klingenden Überschrift „Familienzusammenführung“. Sie wird aber wird nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ schlimme Folgen haben. Viele europäische Politiker haben das jedoch wieder einmal nicht begriffen, sonst könnten die deutschen Sozialdemokraten die Forderung nach einem Beginn der derzeit sistierten Familienzusammenführung nicht zu ihrem wichtigsten Anliegen erheben.

Die Förderer der nächsten Migrationswelle sind die bekannten gesellschaftszerstörerischen Kräfte: Das sind einerseits die Rotgrün-Parteien. Und das ist andererseits die Judikatur linker und weltfremder Richter, die nicht begreifen, dass „Familie“ in Drittwelt-Kulturkreisen eine ganz andere Bedeutung und Dimension hat als in Europa. Sie wollen deshalb neuerlich Ungleiches gleich behandeln.

Oberflächlich betrachtet scheint es ein gutes Argument für Familienzusammenführungen zu geben: Das ist die Hoffnung, die sexuelle und sonstige Aggressivität der jungen Männer, die in Millionendimension nach Europa gekommen sind, würde reduziert, wenn ihre Frauen und Kinder nachkommen. Das klingt logisch – nur ist es ein Unsinn. Weil die allermeisten gar keine Frauen haben.

Vielmehr sind meist alleinstehende Männer gekommen, die der Armut, der Arbeitslosigkeit oder dem Militärdienst entkommen wollten. Viele sind von ihren Eltern sogar gezielt losgeschickt worden, damit sie in Europa zum Anker für die ganze Sippe werden. Oder damit sie aus dem Schlaraffenland zumindest regelmäßig Geld in die alte Heimat schicken.

Das heißt: Die Hoffnung auf eine signifikante Senkung des Testosteron-Spiegels der Migrantenmassen durch Familienzusammenführungen wird eine vergebliche bleiben.

Sie wird platzen, so wie schon viele von der Linken geschürte Illusionen geplatzt sind. Wie etwa auch jene, dass die Migranten das demographische Problem und die Nachwuchssorgen vieler Branchen lösen werden. Inzwischen ist man in Wirtschaft und im Bildungssystem total ernüchtert: Das funktioniert nicht. Selbst bei den prinzipiell Arbeitswilligen unter den Migranten fehlt oft jede Grundfähigkeit, jede Kompetenz, jede Verlässlichkeit, jede Selbstdisziplin, auf die man in einer modernen Wirtschaft aufbauen könnte, auf die eine Ausbildung aufbauen könnte.

Immer öfter berichten deshalb auch anfangs sehr engagierte Unternehmen und Lehrkräfte, dass ihre Bemühungen um die „Flüchtlinge“ frustrierend geendet sind. Aus zwei Gründen:

  1. Das hängt erstens mit den falschen Signalen des europäischen Sozialsystems zusammen, das bei den „Flüchtlingen“ den Eindruck erweckt, man brauche eh nicht zu arbeiten, um dennoch mehr Geld zu bekommen, als sie in ihrem bisherigen Leben je hatten.
  2. Das hängt zweitens mit dem riesigen kulturellen Spalt zwischen Herkunftsländern und Europa zusammen, dessen Überwindung nur mit einer gewaltigen Kraftanstrengung gelingen könnte.

Diese Kraftanstrengung wäre notwendiges zentrales Element jeder Integration. Von Integration reden zwar alle, aber kaum jemand begreift, wie schwierig sie ist, und was alles zu einer erfolgreichen Integration gehören müsste. Sonst würde man niemals auf die Idee massenweiser Familienzusammenführungen kommen. Diese sind nämlich das absolute Gegenteil von Integration.

Das hat man auch schon bei der türkischen Migration in den Jahrzehnten davor gesehen. Sobald man den ursprünglich allein – und angeblich nur für eine Zeitspanne – gekommenen Gastarbeitern die Familienzusammenführung gestattet hat, hat das Gegenteil von Integration stattgefunden. Das zeigt sich auf vielen Ebenen:

  • – die türkische Innenpolitik ist viel wichtiger als die des Landes, in dem man lebt;
  • – selbst wenn sie einen europäischen Pass erlangen, haben sich viele heimlich wieder den türkischen geholt;
  • – die innere Loyalität zeigt sich auch bei Fußball-Länderspielen & Co;
  • – auch in der dritten Generation läuft in türkischen Familien fast nur türkisches Fernsehen;
  • – als Bräute holen sich die jungen Türken oft noch immer jungen Mädchen aus der alten ostanatolischen Heimat. Diese sind meist ohne Deutschkenntnisse und haben bloß eine minimale Bildung (von den vielen genetisch problematischen Cousin-Heiraten gar nicht zu reden);
  • – die türkischen Frauen in Europa tragen zu einem viel höheren Prozentsatz als früher das Kopftuch;
  • – man bleibt abgesehen vom Arbeitsplatz (sofern es einen solchen für relativ einfache Tätigkeiten überhaupt noch gibt) total unter sich;
  • – man geht mit erstaunlicher Intensität in die Moschee, die als der beste Anknüpfungspunkt an die alte Heimat (und oft auch an islamistische Gruppen) erscheint.

Dieses Verhalten hängt eng mit der Familienzusammenführung zusammen. Was dabei passiert, hat die deutsch-türkische Soziologin Necla Kelek – eine der klügsten Frauen in der gesamten Debatte – in einem Interview mit der „Welt“ so beschrieben: „Der Familiennachzug fördert gerade Parallelgesellschaften und sendet zudem das falsche Signal an Menschen in ihren Heimatländern.“

Aber wer wird dann eigentlich bei einer solchen „Zusammenführung“ kommen, wenn die jungen Männer eh noch gar keine Frauen haben? Abgesehen von arrangierten Ehen mit der alten Heimat werden ganze Großfamilien nachkommen, Eltern und Geschwister, wo dann jeder Einzelne wieder das Recht auf Familienzusammenführung hat. Die europäischen Behörden sind nicht einmal imstande, durch DNA- oder sonstige Tests nachprüfen, ob die wirklich alle verwandt sind; sie verlassen sich in der Regel auf „Dokumente“ aus den Heimatstaaten, die dort ja oft für ein Bakschisch erhältlich sind.

Kelek bringt es auf den Punkt, was da droht:

„Familie heißt in orientalisch-muslimischen Gesellschaften die Großfamilie, die Sippe, die patriarchalisch organisiert ist. Mit dem Familiennachzug importieren wir ein islamisches Familiensystem, das erst zu Parallelgesellschaften führt. Niemand braucht sich mehr anzupassen, man kann unter sich bleiben und Traditionen wie die Kinderehe, Frauenunterdrückung und Gebärzwang weiterleben.“

Wer solche Sippen nachholt, importiert deren Wertsystem. Der braucht gar nicht mehr zu versuchen, irgendwelche „europäischen Werte“ in teuren Kursen zu vermitteln, die halt von den „Flüchtlingen“ lustlos abgesessen werden.

Wer trotzdem noch immer glaubt, Familienzusammenführungen wären alternativlos, der blicke in die Geschichte. Nach Amerika und in andere Einwanderungsländer sind jahrhundertelang viele Millionen junge Europäer geströmt. Niemand von ihnen konnte die alten Familien nachholen – aber genau deswegen haben sich die Emigranten dort binnen weniger Jahre so perfekt integriert. Von der Sprache bis zur Kultur.

Über UNTERBERGER, Dr. Andreas

UNTERBERGER, Dr. Andreas
Dr. Andreas Unterberger war 14 Jahre Chefredakteur von "Presse" bzw. "Wiener Zeitung". Er betreibt heute das unabhängige Internet-Tagebuch andreas-unterberger.at. Dr. Andreas Unterberger europäisiert exklusiv für EU-Infothek.

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