Donnerstag, 13. Dezember 2018
Startseite / Allgemein / Die meisten österreichischen Unternehmen wollen keine Kredite mehr

Die meisten österreichischen Unternehmen wollen keine Kredite mehr

Für rund sechs von zehn Betrieben ist die Aufnahme eines Kredits „schwierig“ bis „sehr schwierig“, weil die Banken immer mehr unternehmerische bzw. private Sicherheiten fordern. Laut einer aktuellen Umfrage des KSV1870 planen daher nur 16 Prozent der 1.200 Befragten für heuer den Canossagang zu ihrem Geldinstitut. Die überwiegende Mehrheit verzichtet lieber auf Kredite.

Immer mehr rot-weiß-rote Unternehmen versuchen, ohne Kredit auszukommen und beispielsweise Investitionen über Eigenmittel zu finanzieren. Dieser Trend hat mit den bereits seit Jahren zunehmenden Schwierigkeiten bei der Kreditaufnahme zu tun. In der vom KSV1870 durchgeführten Kundenbefragung meinen 41 Prozent der Teilnehmer, dass Kredite heute glatt abgelehnt werden, die vor der Krise anstandslos bewilligt worden wären. 23 Prozent der Befragten sind der Ansicht, dass die benötigten Geldspritzen gar nicht in der gewünschten Höhe zu bekommen sind.  Die aktuellen Konditionen und Kreditkosten werden von 29 Prozent der befragten Unternehmen als „schlecht“ bzw. „zu hoch“ bewertet.

Am schlechtesten ergeht es offensichtlich den Kleinstunternehmen. Besonders jene in Wien, der Steiermark, Kärnten und im Burgenland haben es laut eigener Einschätzung besonders schwer, bei ihrer Bank auf Verständnis zu stoßen. So etwa halten es 69 Prozent der Wiener Betriebe  für „schwierig“ bzw. „sehr schwierig“, an frisches Geld ranzukommen – und nur drei von hundert Befragten aus der Bundeshauptstadt bewerten das als „einfach“ oder „sehr einfach“. Deutlich positiver werden die Chancen, einen Kredit zu erhalten, in Salzburg, Tirol und Vorarlberg eingeschätzt. Dort sind sogar fast zehn Prozent der Meinung, dass Kredite relativ leicht zu bekommen sind.

Heuer werden jedenfalls 64 Prozent der Befragten keinen Kreditantrag stellen, wobei kurioserweise in Westösterreich die höchsten Prozentsätze festzustellen sind – in Vorarlberg sind‘s immerhin 68 Prozent. Im Burgenland planen indes lediglich 59 Prozent, nicht bei der Bank vorstellig zu werden. Doch jeder fünfte Befragte hat dort – ähnlich wie in Kärnten – vor, sein Glück trotz der zunehmenden Skepsis gegenüber den so vorsichtig gewordenen Geldinstituten zu versuchen. Unschlüssig, ob sie ansuchen oder besser nicht ansuchen sollen, sind in ganz Österreich immerhin 20 Prozent der Unternehmer. Sie müssen wohl erst die Frage klären, ob sie ohne Bankenhilfe langfristig die Wettbewerbsfähigkeit sichern können oder ob die Eigenmittel doch nicht ausreichen werden.

 

Über MUZIK, Prof. Dr. Peter

MUZIK, Prof. Dr. Peter
Prof. Dr. Peter Muzik ist langjähriger Wirtschaftspublizist ('trend', 'WirtschaftsBlatt', 'Wiener Zeitung') und Inhaber der auf Medien-Resonanz-Analyse spezialisierten Agentur Public & Media

Das könnte Sie auch interessieren

Goldesel Hypo IX – Bank-Berater der HAA

Eine Gruppe von Profiteuren übt sich in so nobler Zurückhaltung, dass sie bisher im Zusammenhang mit der Hypo Alpe Adria nicht einmal erwähnt wurde: jene Banken, die in der Beratung der HAA viele Jahre lang ein lukratives Geschäftsfeld gefunden hatten.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.